Oh, wie schön ist Panama!

Wir haben ein neues Zuhause im Buschöhrchen gefunden. So nett, wie diese Adresse klingt, so freundlich und offen sind auch seine Bewohner. Der kleine Tiger heißt Mio und jeder Augenblick mit ihm ist die reinste Freude. Er kuschelt sich mit uns auf dem Sofa, meditiert konzentriert auf der Heizung oder spielt ausgelassen mit seiner Mitbewohnerin Tiponi. Tiponi ist eine Hündin und der beste Beweis dafür, dass Hund und Katze Freunde sein können. Uns Hundeneulingen macht sie es auch leicht und sagt uns deutlich, was sie will. Dann wohnt hier noch Rostam, der in die 10. Klasse geht und dem Artur bei den Hausaufgaben hilft. Er kommt ursprünglich aus Afghanistan und ist seit zwei Jahren in Deutschland. Im Garten steht ein kleiner Stall und dort wohnen drei Araber (Pferde), Khabar, Girru und Juna. Wir bringen sie mit unseren beiden Pferden auf die Weide und zurück. Draumsýn, Jaquima und Juna haben sich jetzt schon so gut kennengelernt (angefreundet wäre zuviel gesagt), dass sie nach einer Woche zusammen stehen können. Draumsýn hat ganz klar das Sagen und Juna weicht aus. Prügeleien gab es bis jetzt keine.

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Und eigentlich wohnt hier auch Bibi, der das ganze Haus und die Ménagerie gehört. Aber sie ist gerade im Urlaub und wir versorgen deshalb die Tiere. Doch auch wenn sie wieder kommt, können wir hier wohnen bleiben. Wie lange, wissen wir noch nicht, aber wahrscheinlich ein paar Monate. Es ist ein ungewohntes Gefühl, an einem Ort anzukommen und zu wissen, dass wir hier bleiben können. Ja mehr noch, dass wir willkommen sind. Wir können unsere Sachen auspacken und uns einrichten, was mir gar nicht so einfach fällt. Im Hinterkopf geistert immer die Frage herum, ob sich das überhaupt lohnt. Aber nach und nach machen wir uns die Räume in unserer kleinen möblierten Wohnung zu eigen, stellen das Bett um, waschen Decken und kombinieren unsere Alu-Töpfe mit dem restlichen Geschirr. Eine eigene Küche! Was für ein Luxus! Wir backen und kochen und streiten uns um den Abwasch. Ich kann endlich wieder Hafermilch und Sojajoghurt in mein Müsli tun und Vollkornbrot essen.

Wir halten uns nach all den Monaten draußen gerne drinnen in unserem gemütlichen Wohnzimmer auf, vor allem bei dem scheußlichen Dauerregen. Ich habe in nur einer Woche ein Buch mit 500 Seiten zu Ende gelesen und Artur hat so viel Handyzeit, dass er irgendwann von sich aus auf die Idee kommt, einen Hefezopf zu backen. Der wird dann leider eher ein Hefefladen, schmeckt aber trotzdem. Die Sofazeit mit Mio, Tiponi, Buch und Handy dehnt sich lange aus und wenn wir Sehnsucht nach den Pferden bekommen, müssen wir einfach nur aus dem Fenster schauen. Was machen sie wohl gerade? Rumstehen, Stroh fressen oder woanders rumstehen? Ich genieße es, auch mal nichts tun zu müssen, auch nichts mit den Pferden. Doch ab und zu nagt eine Unzufriedenheit an mir, wenn ich zu viel Zeit auf dem Sofa verbringe.

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So kommen wir endlich mal dazu, uns bei Hundespaziergängen über unsere Zukunft zu unterhalten. Wo sehen wir uns in fünf Jahren? Auf was wollen wir dann zurückblicken können? Das erscheint alles noch so weit weg und es ist schwierig, eine Brücke zwischen dem Traum und der Wirklichkeit in der Gegenwart zu schlagen. Auf jeden Fall haben wir jetzt Zeit, uns damit auseinanderzusetzen und sind nicht mehr von existentiellen Fragen wie Wo schlafen wir heute Nacht? Wo bekommen wir Wasser her? Und wo können wir wieder einkaufen? getrieben. Es kommt mir wie die größte Prasserei vor, reichhaltig auf Vorrat einzukaufen. Es gibt nicht nur Couscous und Nudeln, sondern auch Kartoffeln, Quinoa, Hirse und so viel Obst und Gemüse wie wir wollen. Selbst wenn wir in einem der Regengüsse klatschnass werden, ist es nicht so schlimm. Wir können die Sachen ja trocknen und uns aufwärmen. Aber bei diesen Temperaturen kommt unsere Garderobe an eine gewisse Grenze: Wir haben fast alles an, das heißt, wir können nichts waschen, sonst würden wir ja frieren. Aber bald kommt eine Lieferung aus der Nachschickkiste, damit wir wieder so richtig im Komfort leben und nicht jeden Tag Unterhosen waschen müssen. Andererseits bin ich dankbar dafür, dass wir alltägliche Dinge noch nicht so selbstverständlich sehen. Das hilft uns, sie bewusster wahrzunehmen, sie zu genießen und zufrieden damit zu sein. Dann was brauchen wir wirklich noch, wenn wir Essen, Trinken und ein Dach über dem Kopf haben? Andere Menschen, Tiere, Bewegung und einen Sinn in unserem Leben. Vielleicht finden wir den hier.

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Bis dahin strukturieren die Bedürfnisse der Tiere unseren Tag. Die Jungs (Khabar und Girru) auf die Weide bringen, die Stuten holen, abäppeln, Mio füttern, frühstücken. Tiponi füttern, Stroh füttern und abends die Pferde wieder rausbringen bzw. reinholen. Dabei merkt Artur, dass Araber durchaus ein anderes Temperament haben als Freiberger, aber wenn sie neben ihm tänzelnd dahin schweben, findet er sie doch wieder faszinierend. Mich überrascht eher, wie wenig die fressen im Vergleich zu unseren. Draumsýn und Jaquima hauen rein was geht. Denn: Der Winter naht. Umso schöner ist es, dass wir ein gemütliches und nettes Zuhause gefunden haben.

2 Gedanken zu “Oh, wie schön ist Panama!

  1. Simone schreibt:

    Hallo ihr Lieben, ich habe gespannt gelesen wie es euch geht. Schön von euch zu hören/ lesen. Wo ist denn nun euer vorübergehendes Zuhause? Noch in Frankreich? Ich finde ihr habt ein tolles Abenteuer erlebt und wenn man es genau nimmt seid ihr ja auch immer noch mittendrin. 🙂 Ich freue mich drauf zu erfahren wohin euer Weg euch weiter bringt. Liebe Grüße Simone

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  2. Antje Rösler schreibt:

    Liebe Valerie,

    euer Bericht ist toll geschrieben und die Photos sind einfach wunderschön! Ich wünsche euch von Herzen, dass ihr eurem Weg fürs Leben auf eurem Weg näher kommt. Auf Bernhards Hof grasiert gerade die Druse, da ist es gut, dass eure lieben Pferde weit weg sind. Auch dies eine Bewußtseinserweiterung: die selbstverständlichen Spaziergänge sind plötzlich gar nicht mehr selbstverständlich, alles stagniert und dann tun sich plötzlich neue Türen auf, denn es schafft Raum für Bodenarbeit und Anderes. Es geht immer irgendwie weiter… Einen schönen Herbst wünscht euch Antje

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