Zwischenstation Elsass

Bei strömendem Regen steigen die Pferde ohne Probleme in den Transporter und wir treten die Rückreise an. In nur einem Tag fahren wir etwa die Strecke zurück, für die wir zu Fuß drei Monate gebraucht haben. Das ist irgendwie surreal. Wir fahren sogar unter einer Autobahnbrücke durch, über die wir gewandert sind. Die Pferde stehen ruhig in ihrem Transporter, was wir über die Kamera mitverfolgen können. Nach acht Stunden kommen wir endlich an, die Pferde steigen aus, wälzen sich auf dem Sandplatz und fressen Heu. Und wir können seit sehr langem mal wieder in einem Bett schlafen. Doch wir schlafen gar nicht so gut, wie wir es uns erhofft hatten, bis wir auf die Idee kommen, das Fenster aufzumachen. Das kommt dann der Frischluftzufuhr im Zelt am nächsten.

Wir machen knapp zwei Wochen „Urlaub“ im Elsass. Die Landschaft ist leider nicht so schön wie erwartet. Hier wird nämlich Mais angebaut, nur Mais. In der Ebene sieht man von einem Maisfeld zum nächsten, auf einem kleinen Hügel sieht man eine ganze Landschaft aus Mais.

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Der nächste Wald ist 2 km weg und alle Wege sind schnurgerade. Außer einem. An der Lauter, dem Grenzfluss zwischen Frankreich und Deutschland, gibt es einen sehr hübschen abwechslungsreichen Pfad, der auf einem Wall entlang geht. Diese sogenannte Redoute hat Ludwig der XIV. erbaut, um das Tal gegen Feinde aus dem Norden (also Deutsche) überfluten zu lassen. Der Weg ist wie eine Buckelpiste, oben entlang, runter, wieder rauf, Kurve nach rechts, Kurve links, wieder runter, über Gräben und kleine Brücken. Eine Brücke ist zu schmal, also laufen wir außen rum und lassen die Pferde über einen großen Graben springen, was Draumsyn sogar eleganter hinbekommt als Jaquima. Trotz der größtenteils öden Landschaft machen wir spannende Spaziergänge mit Bachdurchquerungen, über und unter Baumstämmen durch und von vorne bis hinten immer wieder den Wall entlang.

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Nach Deutschland kann man einfach so über eine der Lauterbrücken, aber da ist es auch platt mit schnurgeraden Wegen. Doch ich würde jedem Menschen wünschen, genauso einfach über jede Grenze dieser Erde zu gehen. Wenn es schon Staatsgrenzen geben muss. Im Elsass merkt man, dass es immer wieder zwischen diesen Grenzen hin- und hergeschoben wurde und es fühlt sich wie ein Zwischenreich an. Fast alle Ortsnamen sind deutsch, viele Familiennamen auch. Wer vermutet bei Schleithal, Salmbach und Scheibenhard in Frankreich zu sein? Eigentlich wollten wir ja auch hier her, um noch länger in Frankreich zu sein, aber das merken wir nur, wenn wir Passanten mit Bonjour begrüßen und es in der Epicerie Fromage blanc gibt. Da unsere Gastgeberin Deutsche ist und, obwohl sie seit 22 Jahren hier lebt, kaum französisch spricht, haben wir auch kein französisch mehr gesprochen, seitdem wir hier sind. Gaby ist sowieso das völlige Gegenteil von Brigitte. Alles ist ordentlich und sauber, wir bekommen eine genaue Einführung, was wo hinkommt, welche Türen wie geschlossen werden und welches Geschirr wir abtrocknen sollen und welches nicht. Die Einbauküche ist so akkurat aufgeräumt und voll ausgestattet, dass wir einen echt leckeren Apfelkuchen backen können. Von außen sieht das Fachwerkhäuschen recht putzig aus, vor allem, wenn sich die beiden Kater davor in der Sonne räkeln. Langsam gewöhnen wir uns wieder an den Komfort. Ich muss mich nicht ekeln, wenn mir die Seife beim Duschen runter fällt und wir haben ein Zimmer mit Wlan.

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Nach einigen Tagen haben wir alle Wege in der Umgebung erkundet und Artur hat langsam keine Lust mehr auf die Pferdespaziergänge. Ich verknackse mir den Fuß, so dass ich nicht mehr laufen kann. Die Pferde fressen sowieso lieber den ganzen Tag. Nach 12 Tagen zieht es uns weiter. Wir haben einen kleinen Einblick ins Elsass bekommen und auch Lust, die Vogesen mal von der Nähe kennenzulernen, die wir leider nur in der Ferne und auf den Wanderreitfotos von Gaby gesehen haben.

IMG_1313Was uns bei unserer nächsten Station genau erwartet und wie die nächsten Monate werden, wissen wir nicht. Sicher ist, dass wir morgen Frankreich verlassen und nach Deutschland fahren. Ich freu mich drauf.

 

 

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